Summer in the City

Es gibt ein Leben außerhalb Berlins. Auch wenn man das, so man den Berlinern – oder Wahlberlinern oder Schwaben oder wer da auch immer lebt – zuhört, kaum glauben möchte. Also ich wohne jedenfalls gerne in Mannheim. Auch wenn meine Besucher die Quadrate noch immer nicht endgültig verstanden haben und meine Mutter mal zwei Stunden auf den Brücken zwischen Mannheim und Ludwigshafen gefangen war.

Hier riecht es nach Schokolade, wenn es anfängt zu regnen und das ist ja immerhin schon mal was. Manchmal riecht es auch nach abgestandenem Nudelwasser. Die Wahl zur hässlichsten Stadt Deutschlands hat Ludwigshafen zwar gewonnen, jedoch bebildert mit einem Foto von Mannheim. Und: Mannheim hat auch im Dunklen seinen Charme: ein idyllischer Blick auf die Kamine der BASF enthüllt, welche Chemikalien jetzt gerade wieder stichflammenartig durch den Kamin abgefackelt werden. Mitunter ein Farbspektakel erster Güteklasse. Wer braucht da noch Feuerwerke?

Leider hat Mannheim nicht nur schöne Seiten. Mannheim hat auch Xavier Naidoo. Joa. Was soll man dazu noch sagen? Da sind wir wieder beim kollektiven schlechten Geschmack, der zweifelhafte (und ich rede hier jetzt nur von der Musik, nicht von irgendwelchen Aluhut-Theorien oder politischen oder religiösen Ansichten, die den Rahmen definitiv sprengen würden) Prominenz schafft. Obwohl: nicht mal mehr die Zuschauerschaft von VOX möchte seinen Song gesungen haben. Weder von Andreas Gabalier noch von sonst wem. Und das sollte vielleicht sogar Xavier Naidoo zu denken geben.

Aber ich schweife ab.

Zurück zu Mannheim und Kultur. Mannheim, Sommer und Kultur. Da denke ich doch mal spontan ans Maifeld Derby. Mein Mannheimer Jahreshighlight. Letztes Jahr habe ich dort meine Liebe zu Zeal & Ardor entdeckt. Und zum Bühnenoutfit von King Khan. Faber hat auf dem Parcours d´amour gespielt, zwei Jahre später verkauft er Hallen aus. Dieses Jahr warte ich sehnlich auf die Eels. Eigentlich warte ich seit Jahren sehnlichst auf sie. Und ich bin gespannt, was der Rest bringt. Überhaupt ist die größte Schwierigkeit während des Festivals, den geeigneten Moment für Nahrungsaufnahme zu finden. Wird auch dieses Jahr wieder zur Herausforderung. Noch vier Wochen…

Am Donnerstag hingegen startet Kultur am Neckar in die zweite Runde. Spätestens seit Hedwig Franke und Michael Barrett im vergangenen Jahr einen Parforceritt durch die Wildwest-Groschenroman-Wüste gewagt haben, bin ich glühender Anhänger. Es gibt Lesungen und Musik, es ist witzig, direkt vor der Haustür und es kostet keinen Eintritt. Was will man eigentlich mehr? Also hin. Immer donnerstags, 20:00 Uhr an den Sitzstufen   am Neckar, direkt am Alten Messplatz.

Und wenn es doch mal regnet, kann man sich immer noch in die Badewannen im Alten Volksbad fläzen. Wo es früher Brausebäder zu 80 Pfennig (behaupte ich jetzt mal so) gab, spielt heute die Musik. Vor fünf Tagen war ich da bei Lampe. Absolute Helden an der deutschen Texterfront. Fragt Thorsten. Oder Lachyoga. Wer schon einmal den Lachrasenmäher bedient hat, weiß, wovon ich spreche.

Relativ neu auf der kulturellen Landkarte ist das Franklin Village. Wo früher amerikanische Truppen stationiert waren, gibt es jetzt unter anderem eine Boulderhalle. Letzte Woche waren wir dort in der Rollschuhdisko in der Panzerhalle. Auf jeden Fall lohnt es sich, das auf dem Schirm zu behalten. Auf dem Weg dahin haben wir auch dem Knast einen Besuch abgestattet und uns das neue Tor angesehen. Mindestens genauso begeistert, wie vom Tor bin ich vom JVA eigenen Bistro und Shop. Oder vielmehr von den Namen. KNACKpunkt und schmackHAFT – da war ein wahrer Könner am Werk. Schon alleine deswegen werden wir den beiden Läden bald mal einen Besuch abstatten.

Ich könnte jetzt ewig hier so weitermachen. Hier gibt es einfach so viel Tolles. Das Cinema Quadrat, das Kombinat, das blau und den ein oder anderen Laden im Jungbusch, das Felina Areal, das KIOSK oder das Eintanzhaus und all die vielen anderen Sachen, die ich vergessen habe. Aber ich bin ja kein Stadtmagazin oder Veranstaltungskalender. Dafür gibt es hier schließlich MAWAYOFLIFE oder machmalwas oder den Mannheim Kult und wie sie alle heißen.

Was ich eigentlich sagen will: Augen offen halten, auch mal den Off Theatern und der Subkultur eine Chance geben. Die haben nicht das Geld für große Anzeigen und Marketingkampagnen, machen Mannheim aber zu der spannenden Stadt, die sie ist.

 

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