Was bin ich wert?

Je nach Blickwinkel können die Ergebnisse sehr unterschiedlich ausfallen. Fragt man die Eltern und/ oder den/ die Partner*in (ich höre jetzt gleich wieder mit dem Rumgegendere auf, auch wenn das politisch total unkorrekt ist, aber es nervt beim Schreiben und Lesen. Und das eigentliche Problem kriegt man halt mit ein paar Sternchen in Texten auch nicht in den Griff… Behandlung von Phantomschmerzen, aber darum geht es hier ja auch mal Null. Und das schreibe ich als diejenige am unteren Ende der Paygap.) ist man unbezahlbar. Solange man gerade nicht so richtig was verbockt hat. 

Fragt man seinen Chef bei der Gehaltsverhandlung sieht das schon wieder ganz anders aus. Natürlich ist man da gar nicht als Person gemeint, wenn man für einen Hungerlohn arbeiten soll, von dem man kaum die schäbige Wohnung zahlen kann, aber für den man gleichzeitig unendliche Dankbarkeit ausstrahlen soll, während man seine 60-Stunden-Woche im Büro (oder wo auch immer der Arbeitsplatz ist) verbringt. Denn wenn man einen so großen Teil seines Lebens dort fristet, muss man schon auch seinen Beitrag zu einem guten Betriebsklima leisten. Jup. Also da ist nicht der Wert meiner Person gemeint. Und jetzt auch nicht der Wert meiner Arbeitskraft oder meines Know-Hows. Beides total toll, wirklich. Aber zahlen kann man dafür eben nicht… adäquat. Super.

Naja. Gilt natürlich nicht für Führungsriegen in multinationalen Konzernen. Nur für den Rest. Und es ist natürlich auch vollkommen OK, dass ein Manager mehr am Tag verdient, als andere im gesamten Jahr. Nehmen wir mal Bill McDermott, der für 2017 eine Gehaltskürzung hinnehmen musste. Das ist hart. Er verdient dann jetzt nur noch 13,2 Mio., oder 1,1 Mio. im Monat oder 50.000 am Tag (bei einem Arbeitsmonat mit 22 Tagen). Das ist er aber auch wert. Und alle, die das eben nicht wert sind, sind auch echt selbst schuld. Hättest Du mal was Gescheites gelernt, ne? Und nein, ich möchte weder den Job, noch die Arbeitsstunden, noch die Kohle. Ich möchte nur die Frage stellen, ob es sein kann, dass ein Mensch 6.250 € die Stunde wert ist und Andere mit ach und krach 8,84 €. Nun.

Wirft aber gleich die nächste Frage auf: was bin ich mir selbst eigentlich wert? Und ich meine primär meine Arbeitskraft. Sekundär hängt der Rest natürlich trotzdem mit dran und lässt sich nicht abschütteln. Wie gestalte ich meine Preise als Freelancer und halte ich mich daran? Wie gehe ich mit Kunden um, die an meinem Wert zweifeln? Oder mal machen lassen und sich dann entscheiden, doch nicht zu zahlen? Ertappe ich mich selbst dabei, mich für jedes Angebot ein wenig zu schämen, wenn ich meinen Stundenpreis angebe? Und reduziere ich den Stundenpreis dann schon mal prophylaktisch selbst, bevor ich das Angebot auch nur abgeschickt habe, um mir die Scham und Schuldgefühle zu ersparen, die sich ergeben könnten, sollte der potentielle Kunde das nicht zahlen wollen… Kann ich mir überhaupt leisten, so viel zu verlangen und damit mögliche Auftraggeber zu vergraulen, die ich aber dringend brauche, um meine Miete oder mein Essen zu zahlen? Es tut mir jetzt ja leid, aber ich hab da auch keine Antworten. Jedenfalls nicht für Andere. Ich bin schließlich kein Selbsthilfebuch. Die muss schon jeder für sich selbst finden. Im Zweifelsfall ständig aufs Neue. Nur: wenn man selbst kontinuierlich am eigenen Wert zweifelt, kann man den Anderen dann einen Strick daraus drehen, dass sie das auch machen?

3 Gedanken zu “Was bin ich wert?

  1. […] Ich bin wieder da. Frisch aus dem Urlaub. Erholt und alles. Es kann also wieder losgehen. Und zwar volle Fahrt. OK, erster Arbeitstag, halbe Fahrt. Da bietet es sich doch an, sich gleich mal einem unliebsamen Thema anzunehmen, das jeden Freiberufler früher oder später (oder auch wiederholt) umtreibt: die Preisgestaltung. […]

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