Die Freunde von gestern sind die Feinde von heute

Das scheint zumindest 1a zu funktionieren, wenn man sich in der Weltpolitik umsieht… und Donald Trump heißt. Da fragt man sich doch wirklich, ob das Ganze noch System hat. Und falls ja, welches? Und: was hat das alles mit einem Marketingblog (zumindest im weitesten Sinne) zu tun? 

Ziemlich viel. Schließlich kommt man nicht umhin, die gepflegte Misanthropie für einen Moment abzulegen und sich mit Menschen zu verbünden, die das gleiche Ziel, nur vielleicht eine andere Herangehensweise haben. Das nennt sich dann Networking. Und macht mehr Sinn, als Einzelkampf. Zumindest auf lange Sicht.

Ich bekenne mich schuldig: ich bin kein großer Fan davon, meine Abende mit Leuten zu verbringen, die ich nicht kenne, statt mit Freunden „Schokolade Essen“ (ja genau, das Spiel mit der Mütze und den Handschuhen von zahllosen Kindergeburtstagen) in deren Garten zu spielen.

Trotzdem habe ich – und das muss ich zerknirscht feststellen – bei dem ein oder anderen Netzwerktreffen auch Leute kennengelernt, die sich zu potentiellen „Schokolade Essen“ Partnern entwickeln könnten. Warum auch nicht? Wir haben zumindest schon mal eine Gemeinsamkeit: wir arbeiten in der Kulturwirtschaft. Und da kennt halt nun mal jeder jeden. Fluch und Segen. Vielleicht werden ja auch aus Fremden Freunde – hach, wie romantisch. Und wenn man die Leute erstmal kennt, muss man selbst auf Netzwerktreffen mit denen eben nicht nur über die künftigen Projekte sprechen. Wir sind hier ja nicht bei Tocotronic.

Außerdem: und darum geht es ja – Zusammenarbeit. Wie soll ich an meine Aufträge kommen, wenn da nicht Freunde und Freunde von Freunden wären. Mund zu Mund Propaganda. Ein grauenhafter Ausdruck. Dafür so viel erfolgsversprechender als Kaltakquise (was nebenbei ein genauso grauenhafter Ausdruck ist und keinen Spaß macht). Das Ganze befeuert sich natürlich gegenseitig. Also ein ewiges Geben und Nehmen.

Was jedoch nicht heißt, dass man jedem selbstverliebten Vollhorst (und hier schließt sich wieder der Kreis zu Donald Trump) in den Arsch kriechen muss. So funktioniert das nicht. Außer, der sitzt gerade am längeren Hebel und ist vermutlich auch für zukünftige Unternehmungen wichtig. Dann muss man da halt leider auch durch. Aber es ist ja nicht notwendig supernett zu sein, professionell reicht. Dazu gehört auch, dass man sich vielleicht nicht unbedingt in einem der sozialen Netzwerke darüber auslässt, wofür man diesen Menschen hält. Auch nicht über den Privataccount. Könnte sein, dass das zurückkommt und plötzlich sind aus alten „Freunden“ glühende Feinde geworden. Und haben eine Heerschar um sich versammelt. Blöd gelaufen.

Sinnvoller ist, eben jene Heerschar um sich selbst zu versammeln. Leute kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen. Denn wenn sich viele derer, die am unteren Ende der Nahrungskette sitzen zusammentun, können sie mitunter doch was gegen die Großen ausrichten. Zumindest funktioniert das in der Natur mit den Stachelmakrelen-Schwärmen und den Haien. Ich will jetzt mal glauben, dass sich das übertragen lässt.

Trotzdem muss man sich auch als Einzelkämpfer, als der man nun auch ab und an auftritt, nicht alles gefallen lassen. Nicken und lächeln. Weil man den Auftrag braucht. Den Kunden nicht vergraulen will. Das trägt auch nicht unbedingt dazu bei, dass man total ernst genommen wird. Konstruktive Kritik üben, sachlich und professionell bleiben ist das Ziel. Der Endgegner. Also wie so viele Dinge im Leben: ein Balanceakt. Auf einem dünnen Seil, 500 Meter über dem Boden, ohne Schirm und doppelten Boden. Hatte ich erwähnt, dass das Seil brennt? In etwa so.

 

2 Gedanken zu “Die Freunde von gestern sind die Feinde von heute

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s