Überrasch mich

Vergangenes Wochenende war Maifeld Derby in Mannheim. Und damit offiziell und unbestreitbar das beste Wochenende, das Mannheim im gesamten Jahr zu bieten hat. Unsere Freunde kommen aus der tiefsten Provinz und/ oder aus England und unsere Wohnung wird für ein Wochenende zur Jugendherberge. Nur halt ohne Jugendliche. Hat den Vorteil, dass keiner denkt, dass viel Axe auch viel hilft. 

Jedes Jahr unser Hauptproblem: wann soll man sich eigentlich Kalorien zuführen, wenn es die ganze Zeit so tolle Musik gibt? Schnell zwischen absurd-unterhaltsamer Wahnsinnsshow von Tank and the Bangas und brachialer Tinnitus-Einlage von Neurosis*? Oder doch eher zu den fernen Klängen einer untergehenden Nationalmannschaft gepaart mit verstörendem Hitradio-Pop von Alex Cameron? Wäre da nicht auch noch die grandiose Stimme von Tamino gewesen, wäre das Problem zumindest am Sonntag gelöst gewesen. Aber so?

Viele gehen auf Festivals wegen der Headliner. Nachvollziehbar, wenn es die Eels sind. Whoooooaaaaa – Konzert des Jahres 2018. Und damit hat der Kastagnetten-schwingende Mr. E meinen anderen Jugendheld Thom Yorke mal locker vom Thron gegroovt.

Ich gehe aufs Maifeld Derby wegen der Überraschungen. Die sind Grund genug sich unausgeschlafen und mit schmerzenden Knochen am Sonntag morgen vor die Fackelbühne zu quälen. Alles sofort vergessen, wenn das Golden Dawn Arkestra Weihrauch- und Hüftschwingend die groteskeste Show des Festivals rockt. Wer hätte gedacht, dass King Khan noch so viel krasse Verwandtschaft hat?

Und wie jedes Jahr hat sich das Maifeld an der Überraschungsfront nicht lumpen lassen… gute Laune mit Me & Reas, auf die Fresse mit den Young Fathers und die Wahnsinns-Stimme von Finn Lynden. Um nur ein paar Namen des großartigen Line Ups in den Ring zu werfen.

Jetzt sind wir erst mal damit beschäftigt die ortsnahen Konzerte unserer neuen Lieblinge zu besuchen und die Alben hoch und runter zu hören. Das macht die Zeit bis zum nächsten Maifeld Derby zumindest halbwegs überbrückbar. Was ebenfalls helfen könnte: meine Playlist „Die besten Pferde im Stall mit meinen Lieblingen aus 8 Jahren Maifeld Derby.

Mal ganz ehrlich: warum sollte ich noch auf eines der Riesenfestivals mit Mainstream-Shows gehen und die Bühne nur anhand einer überdimensionierten Leinwand erahnen?  Thirty Seconds to Mars haben mich noch nie glücklich gemacht… Deerhunter schon.

 

 

 

* Kleiner Exkurs zur Instrumentenwahl: während die Saiteninstrumentalisten und der Drummer zumindest den Anschein brachialer Männlichkeit erweckten, erinnerte der Keyboarder an einen professionellen Schnitzelklopfer mit Flatulenzen (vgl. dazu das verlinkte Video Min. 2:19). Ich werde niemals eine Zweitkarriere als Metal-Keyboarder anstreben.

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