Voll verplant

Falls Du mir auf meiner Website eine Mail geschrieben hast oder versucht hast, mich telefonisch zu erreichen, dann wirst Du festgestellt haben: ich bin nicht da. Ich mache das Freelancer-Waterloo: Urlaub. Ist ne blöde Idee, aber muss halt mal sein. 

Natürlich kommen die Anfragen gerade dann, wenn ich mal nicht da bin. Von wegen Sommerloch und so. Aber darum geht es hier überhaupt nicht. Die Frage ist vielmehr: warum kannst Du das hier lesen? Also jetzt gerade im Moment? Weil mein Abgang nicht ver- sondern geplant war. Und dazu gehören natürlich Checklisten, denen ich mich letzte Woche schon ausschweifend gewidmet habe. Und Vorarbeit. Denn in Ermangelung eines solchen, kann ich die Aufgaben leider nicht auf einen Kollegen abwälzen.

Und damit sind wir gleich bei den Vor- und Nachteilen des Freelancer-Daseins. Natürlich kann ich wann ich will und wie lange ich will Urlaub machen. Rein theoretisch kann ich in meinem Tätigkeitsfeld meinen Laptop auch gleich mitnehmen und nie wieder aus Jakarta oder Montego Bay zurückkommen.

Zurück in der Realität bekomme ich dummerweise kein Urlaubsgeld, muss meine Rechnungen natürlich aber trotzdem weiterzahlen. Das leidige Rechnungsthema hatten wir ja auch schon mal. Außerdem sitze ich meinen Kunden schon auch gerne hin und wieder von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Das gehört für mich zum guten Ton und vereinfacht so viele Dinge. Außerdem finde ich skypen doof.

Solange ich im Urlaub bin, kann ich Auftragsanfragen nicht beantworten… weil ich offline bin. So richtig. Auch privat. Jupp, das gibt es noch. Auch wenn man das heute nicht mehr macht, so in Zeiten der Selbstoptimierung, des immer präsent seins bla bla bla. Tja, dann werde ich halt nicht reich – ich denke, dass ich damit leben kann. Als noch Briefe geschrieben wurden, mussten die Menschen auch warten und meines Wissens ist niemand daran gestorben.

Das Recht, das jeder Angestellte per Gesetz hat, nehme ich mir einfach auch mal raus: im Urlaub nicht zu arbeiten. Dafür zahle ich den Preis, dass mir gegebenenfalls der ein oder andere Kunde durch die Lappen geht. Aber das ist OK. Sowohl, dass der Kunde keinen Bock hat zu warten, bis ich mich bequeme aus meinem Urlaub zurückzukommen, als auch, dass ich dann halt wieder ein bißchen mehr pleite, dafür aber frisch und entspannt bin. Für mich, für meine Kunden und die Projekte die da kommen.

Die Aufträge meiner Bestandskunden arbeite ich natürlich – zumindest sofern sie dringlich sind – vor meinem Urlaub ab. Bedeutet Nachtschichten, Mehrarbeit und echte, gut abgehangene Urlaubsreife. Aber auch Kundenzufriedenheit durch Verlässlichkeit und, dass ich wirklich entspannt in den Urlaub gehen kann, weil ich nicht noch unterwegs darüber nachdenken muss, was ich alles nicht geschafft habe und wie sich das auswirkt.

Genauso wichtig ist (denn es gibt ja noch ein Leben nach dem Sommerurlaub), dass ich nicht komplett in Vergessenheit gerate, wenn ich mich schon absetze. Also nochmal vorarbeiten. Blogartikel schreiben, Spotify-Playlists erstellen und meine Social Media Kanäle befüllen, damit die alle genau das machen, was ich will, wann ich es will. Klingt stressig? Vielleicht. Aber es gibt eben auch diese ganzen Freiheiten, die ich habe, die Zufriedenheit, nur das zu tun, was wirklich erfüllt.

All das muss einem bewusst sein, bevor man den Schritt in die Selbständigkeit wagt. Die schwarzen, die weißen und die grauen Seiten. Es gibt sie alle. Zum Glück.

 

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