Selbstzerstörungsmechanismus

Dass der Mensch per se dumm ist, wissen wir jetzt mal nicht erst seit gestern. Jedenfalls sieht man es spätestens, wenn man so die Themen der letzten schriftlichen Ergüsse hier genauer studiert. 

Aber das soll nur flüssig zum eigentlichen Thema überleiten: Stress. Den hat man heutzutage ja immer. Es ist sogar ziemlich en vogue, gestresst zu sein. Viele Leute tragen das als so eine Art Auszeichnung vor sich her. Das Dauergestresstsein. Und dann kriegen sie einen Herzinfarkt. So.

Man ist gestresst, weil man zu viel zu tun hat. Oder – gerade als Freiberufler übel – zu wenig. Dann kommen die Zukunftsängste und bringen die Zweifel mit und stressen gemeinsam rum. Je gestresster man ist, desto mehr verzichtet man auf Dinge, die eigentlich gut tun. Weil der Tag ja auch wenn man so viel zu tun oder sich um so viel zu sorgen hat nur 24 Stunden hat.

Die logische Konsequenz ist, Dinge zu streichen. Das Abendessen mit dem Freund, den Kinobesuch mit Freunden und vor allem den Sport. Alles Sachen, die eigentlich dafür sorgen, dass man nicht komplett durchdreht. Wer hat uns eigentlich diesen Selbstzerstörungsknopf eingebaut? Der funktioniert zumindest zuverlässig. Zugegeben, Work-Life-Balance klingt halt auch scheiße. Fast wie asap oder Am Ende des Tages. Wer will denn solche Begrifflichkeit in seinem Leben? Bin ich BWLer oder was?

Um die zeitliche Bredouille zu umschiffen, bin ich auf die kluge Idee gekommen, früher aufzustehen. Morgensport und so. Schließlich habe ich vor ein paar Tagen davon gelesen, dass wirklich sehr erfolgreiche Menschen immer so um 4:30 Uhr aufstehen. Weil ich aber nicht sehr erfolgreich werden will, habe ich entschieden, dass vielleicht einfach auch 6:15 Uhr ausreicht.

Mit dem Ergebnis, dass ich einfach länger und schlechtgelaunter weil unausgeschlafener auf dem Sofa rumgehangen habe. Jedenfalls habe ich es weder in den Keller an meinen Sandsack geschafft, noch saß ich pünktlich – geschweige denn früher – an meinem Schreibtisch. Morgen stehe ich wieder auf wie immer. Dann gehe ich an meinen Sandsack, wie immer und komme ein wenig zu spät an meinen Schreibtisch, wie immer. Dafür bin ich dann auch wieder effektiver, weniger genervt und ein Mittwoch Nachmittag fühlt sich nicht mehr an, wie ein ewig währender Montag Morgen.

Erkenntnis des Tages: Selbstoptimierung schützt vor Selbstzerstörungsmechanismen nicht. So gar nicht. Und Spaß macht sie auch nicht.

 

 

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