Footprints

Aktuelles Feindbild vieler Menschen, die fürchten, dass ihnen das Schnitzel madig gemacht oder die Raserei (die auf der Autobahn) abgesprochen wird, ist eine 16jährige Schülerin, die – statt freitags zur Schule zu gehen – streikt. Auf der Klimakonferenz macht sie die Großen nass und verbreitet Angst und Schrecken.

Allerdings halt weniger mit dem, was sie sagt, sondern vielmehr damit, dass sie sich den Erwachsenen widersetzt und damit auch noch ein Vorbild in ihrer Generation sein könnte. Es ist nie gut, wenn zu viele Leute ihr Hirn benutzen. Wo soll denn dann die AfD noch ihre Stimmen herbekommen?

Klar ist die erste Reaktion nicht, darauf zu hören, was sie sagt und zu überlegen, ob sie recht haben könnte, sondern ihr an den Karren zu fahren, weil sie die Dreistigkeit besitzt, ihr mitgebrachtes Proviant in einer Plastiktüte zu transportieren. Eine Reaktion, die jedem nur zu gut bekannt ist, der versucht, durch eigenes Handeln kleine Impulse in die richtige Richtung zu setzen.

Aus irgendeinem Grund fühlen sich andere, denen das zu anstrengend oder zu wenig traditionell ist (das haben wir schon immer so gemacht) bemüßigt, nicht die Bemühungen zu würdigen oder wenigstens zu ignorieren. Oh nein, es wird so lange in den Krümeln gesucht, bis das auch noch so kleinste Fehlverhalten aufgedeckt ist und vor den Augen aller ans Licht gezerrt und breitgetrampelt werden kann. Dabei kann ich mich nicht entsinnen, dass Greta in irgendeinem Satz auch nur ansatzweise erwähnte, dass sie makellos perfekt sei. Trotzdem. So, das hast Du nun davon.

Es scheint jedenfalls neuerdings verwerflich zu sein, wenn man sich Gedanken macht und etwas ändern möchte. Ist auch gemein, anderen und sei es auch nur durch das eigene Verhalten einen Spiegel vorzuhalten. Es ist doch so unangenehm zu sehen, was man alles aus Bequemlichkeit nicht macht. Da hackt man doch lieber auf denjenigen ein, der sich anders verhält, als die Masse, in der man sich so gut argumentativ verstecken kann, mal genauer anzusehen.

Im Privaten habe ich meinen Weg gefunden. Darauf werde ich hier auch nicht weiter eingehen, schon allein, weil ich der immer gleichen Diskussionen so müde bin. Beruflich lassen sich viele Dinge jedoch nicht so einfach umsetzen, wie im persönlichen Bereich. Auch wenn ich als Freelancer größere Entscheidungsfreiheiten habe, gibt es doch Dinge, um die ich nicht herumkomme.

Hin und wieder brauche ich einen neuen Rechner. Er ist meine Arbeitsgrundlage. Und gleichzeitig eine Umweltkatastrophe. Deshalb habe ich mich auch kürzlich entschieden, eben keinen neuen Rechner anzuschaffen, sondern meinen sieben Jahre alten Senioren nochmal aufzurüsten. In der Hoffnung er möge noch weitere sieben Jahre treu zu meiner Seite stehen. Ähnlich verhält es sich mit meinem Mobiltelefon. Das besorge ich mir Second Hand und benutze es, bis es auseinander fällt. Wieso auch nicht? Ich bin nicht so der Mensch für Statussymbole. Dankenswerterweise bewege ich mich im kulturellen Sektor auch nicht in einem Bereich, in dem man durch schickes neues Equipment punkten kann oder muss.

Auch in meiner Bürogemeinschaft habe ich Glück: mein Kollege hat Lust neue Dinge auszuprobieren. Deswegen gibt es neuerdings statt Plastikwasserflaschen einfach das gute alte Leitungswasser. Unser Drucker druckt nur noch im Duplex und ich überlege mir 2x ob ich etwas wirklich ausdrucken muss.

Trotzdem gibt es Dinge, an denen man einfach nichts ändern kann. Ich brauche nun mal Büromaterial. Nicht alles gibt es auch in umweltfreundlich. Und vieles ist – wenn auch komplett sinnlos – in Plastik eingeschweißt. Bei Büromaterial macht das ja gleich nochmal weniger Sinn, als bei Gurken. Ein Haftnotizblock kann zumindest schonmal nicht schimmeln. Jedenfalls nicht bei normalem Gebrauch. Viele Stifte und der Tacker: aus Plastik.

Und sonst? Häufig bin ich für die Erstellung und Drucklegung von Flyern und anderen Drucksachen verantwortlich. Nicht jeder Kunde möchte Recycling-Papier und überhaupt: es bleiben immer Reste, die ungenutzt in den Müll wandern. Jedes Mal ein kleiner Autsch.

Für Buchhaltung und Ablage verbrauche ich – Duplex hin oder her – einfach viel zu viel Papier. Bin ich also keinen Deut besser, als die Schnitzel-Traditionalisten? Ist egal. Denn es geht nicht darum besser oder schlechter als der andere zu sein. Es geht nicht um die Bedienung von Profilneurosen. Sondern es geht darum, sich bewusst zu machen und bewusst zu sein, welchen Fußabdruck man hinterlässt. Und im besten Falle darum, daran zu arbeiten, dass die Welt auch nach uns noch bewohnbar ist.

 

Photo by Christopher Sardegna on Unsplash

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