Von der Wichtigkeit, unwichtig zu sein

Ich lese gerade ein Buch. Was per se erst mal nichts besonderes ist, da ich eigentlich immer ein Buch lese. Zumindest, seit ich das Lesen gelernt habe. Kann ich nur empfehlen. Aber ich schweife ab.

In dem Buch geht es jedenfalls um Aliens, einen Hund, Philosophie und die Hässlichkeit menschlicher Nasen. Und darum, warum man die Menschheit vielleicht doch nicht ausrotten sollte. Einer der genannten Gründe ist stückige Erdnussbutter.

Aber es geht auch darum, wie wichtig sich Einzelne immer wieder nehmen. Und das macht wohl jeder von uns. Wie häufig habe ich mich persönlich angegriffen gefühlt wenn es eigentlich um die Sache ging. Oder um gar nichts. Wer kennt das nicht?

Der Paketbote hat mal wieder das Paket nicht geliefert, obwohl es angekündigt war… die ganze Welt hat sich gegen mich verschworen. Genau, weil sie ja nichts besseres zu tun hat. Rote Welle. Nur um mich auszubremsen und zu ärgern. Joa. Ohne mich läuft auf der Arbeit gar nichts. Ich halte den Laden zusammen. Ja klar. Deswegen ist das Büro auch in Flammen aufgegangen, als ich eine Woche krank war.

Alle andern labern nur und wollen ständig Beifall, obwohl sie nicht mal einen Stift halten können oder wollen. Aber seht mich an. Nie würde ich mich über die Unzulänglichkeit anderer auslassen. Dazu habe ich gar keine Zeit. Ich bin ein Macher, kein Schwätzer. Ich brauche auch euren Applaus nicht, da steh ich drüber. Zumindest so lange ihr hinschaut. Ich weiß schließlich um meine eigene Relevanz.

In unserem kleinen Universum dreht sich halt alles nur um uns selbst. Und wenn andere kommen und auch mal wollen, werfen wir ihnen vor zu sein… wie wir selbst. Natürlich ist dann auch jede Kritik von außen gleich vernichtend. Auch die Konstruktive. Wäre es da nicht schön, einfach ein wenig unwichtiger zu sein? Dann könnte man sich auf das Ziel konzentrieren und gemeinsam einen Blick über den Tellerrand werfen. Das Ego würde nicht vor sich hin toben. Oder vielleicht doch, aber man würde es einfach mal ne Runde ignorieren.

Und ernsthaft: ist es wirklich so wünschenswert, dass sich alles an einem ausrichtet? Das ist ein ordentlicher Haufen Verantwortung den wir uns da aufladen. Und damit kommt dann gerne auch die Schuld an Dingen, die schief gelaufen sind. Viele davon weit außerhalb unseres Wirkungskreises. Das ist nicht nur stressig, sondern bei genauerem Hinsehen auch oft einfach ein ganz klein wenig blasphemisch. Ganz egal, wie man nun zu Religion steht, kann man wohl kaum von sich behaupten, der Lenker der Welten zu sein. So bitter das auch fürs Ego sein mag.

Dabei ist es auch mal entspannend, nicht der Nabel der Welt sein zu müssen. Ich lehne mich jetzt jedenfalls eine Runde in meiner Bedeutungslosigkeit zurück, bis ich wieder die Geschicke meiner kleinen Welt lenken, schalten, walten und die Weltherrschaft an mich reißen muss. So in fünf Minuten.

 

 

Photo: Pete Linforth // Pixabay

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