Win-Win

Vielleicht ist es ja meine Filterblase, aber in den letzten Tagen gab es gefühlt kein Vorbeikommen an einem Video. Und wir reden jetzt nicht von Rezo, dem AKK gerne den Mund verbieten würde.

Zwei Fernsehclowns, die gefühlt damit berühmt wurden Dinge zu tun, mit denen man potentiell den Darwin-Award gewinnen kann, stellen gerade das Internet auf den Kopf. Sie haben in irgendeiner abendlichen Gameshow gegen ihren Sender 15 Minuten Sendezeit zur freien Verfügung gewonnen.

Doch statt Frischhaltefolie zu essen oder in Schornsteinfeger-Kostümen zu gärtnern (zwei gar nicht mal so schlechte Ideen, wenn man sich die deutsche Fernsehlandschaft mal genauer anschaut), haben Joko und Klaas die 15 Minuten anderen Menschen zur Verfügung gestellt.

Plötzlich ging es auf einem Privatsender zur besten Sendezeit um Seenotrettung, Obdachlosenhilfe und ein kleines Festival für Demokratie und Toleranz. Vermutlich nicht unbedingt Programmpunkte, die Pro7 oder sonst irgendeinem Sender spontan in den Kopf gekommen wären.

Mutig, mutig. Pro7 hatte sich vorsichtshalber schon mal vorher in einem Disclaimer von dem Inhalt distanziert. Weiß ja keiner, was da kommen könnte. Hinterher werben sie damit. So funktioniert Mut.

Aber zur Aktion: statt sich selbst mit idiotischen Ideen in den Mittelpunkt zu stellen, räumen Joko und Klaas die Bühne, für Menschen und Themen, die wirklich wichtig sind. Eine Kapitänin, der 20 Jahre Haft drohen, weil sie Menschen rettet, statt sie ertrinken zu lassen, einen Mann, der in der Obdachlosenhilfe denen hilft, die sonst übersehen werden, einer Frau, die sich mutig gegen Nazis stellt, auch wenn die ihre Scheune anzünden.

Dankenswerterweise wurde auf all die Melodramatik verzichtet, die in der Zwischenzeit so programmatisch geworden ist, um große Emotionen zu erzeugen. Keine eingeblendeten Filmsequenzen, deren Bild von bunt auf schwarz-weiß wechselt, keine theatralischen Musikeinspielungen. Nur drei Geschichten. Reduziert und den Thematiken adäquat Rechnung tragend. Drei Personen, die nicht nur was zu sagen hatten, sondern auch die nötige Eloquenz. Und die ist wichtig, wenn man die Sache nicht versehentlich korrumpieren möchte.

Joko und Klaas werden für diese 15 Minuten gefeiert. Absolut zurecht. Knapp 1,9 Mio.* Menschen haben die wichtigen Botschaften allein auf Youtube gesehen. Weitere 1,3 Mio. sahen es direkt im Fernsehen. Klare Gewinner dieser Aktion sind aber eben auch Joko und Klaas, die sich damit klar neupositioniert haben.

Sie sind in aller Munde und das, obwohl sie gar nicht selbst auf der Bühne standen. Wenn ihre Namen heute fallen, geht es nicht um Späße, sondern um große Themen und um Menschlichkeit. Darum, die eigene Bekanntheit zu nutzen, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Ist das ein Schritt in eine neue Richtung? Vielleicht haben sie einfach keine Lust mehr, sich für ein johlendes Publikum mit einem Truck über die Hand fahren zu lassen oder sie werden zu alt für den Scheiß.

Und dann? Gibt es entweder die Versenkung oder ein ernsteres Format. Polit-Talk? Eine neue Harald Schmidt Show? Dafür wäre jetzt ein wichtiger Schritt getan. Das ist definitiv keine Kritik. Das ist ein Hinweis darauf, wie Win-Win im besten Falle funktioniert.

 

*Stand: 03.06.19
Photo: James Chan // Pixabay

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