Contenance

Menschen die mich kennen wissen vermutlich, dass ich nicht der größte Philanthrop bin, der auf dieser unserer schönen Erde wandelt. Aber Respekt und Höflichkeit in zwischenmenschlichen Beziehungen sind nicht zu viel verlangt oder?

Wobei, was will man schon von einer Nation erwarten, deren Regierung und Gerichte im Kükenschreddern und dem Tierschutzgesetz, das nebenbei im Grundgesetz verankert ist, („Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.“ §17 TierSchG) keinen sonderlichen Widerspruch erkennen kann? Warum wird überhaupt ein Unterschied zwischen Wirbeltieren und Invertebrata gemacht? Und was ist überhaupt ein „vernünftiger Grund“ der das Töten von Tieren rechtfertigen würde? Die einfache Antwort: wirtschaftliche Interessen… auch wenn das Bundesverwaltungsgericht anderes behauptet. Wie war das noch mit den Worten und den Taten? Egal. Eigentlich wollte ich mich hier mit Menschen auseinandersetzen, das diente nur zur allgemeinen Illustration.

Also zurück zum Umgang miteinander. Ich kann auch nicht von mir behaupten, dass es nicht schon den ein oder anderen Moment gab, in dem ich absichtlich einen Umweg in Kauf genommen habe, um Person X oder Y nicht zu begegnen. Eigentlich mache ich das sogar ziemlich regelmäßig. Wenn ich übellaunig bin aus beiderseitigem Interesse, sonst aus Bequemlichkeit. Ich bin schließlich auch kein Heiliger.

Wenn ich aber jemandem begegne, egal ob auf der Straße oder im Internet, dann mit Respekt und Höflichkeit. Denn ist es wirklich zu viel verlangt zu grüßen? Ich muss jemanden ja nicht gleich um den Hals fallen, wenn ich ihn nicht ausstehen kann. Ich muss ihn nicht zum Essen einladen oder darum bitten, bei mir einzuziehen. Genausowenig muss ich der Person aber das Gefühl geben, dass ich sie für das Allerletzte halte. Denn mal ehrlich: wer möchte so behandelt werden? Ich nicht. Und deswegen versuche ich mich daran auch bei anderen zu halten.

Zugegeben, es gibt eine Ausnahme: Leute, die andere Menschen aufgrund ihres Aussehens, ihrer Herkunft oder aus welchem haarsträubend-diskriminierenden Grund auch immer unterdrücken, brauchen bei mir auch nicht mit Toleranz zu rechnen. Und falls ihr das hier lest, dann lasst es euch gesagt sein: bloß weil euch keiner zuhören will, seid ihr noch lange nicht die Opfer.

Zurück zum höflichen Umgang miteinander, der auch im direkten Kontakt schon die ein oder andere heftige Einkerbung erlitten hat. Keine Ahnung, was den Menschen abbricht, wenn sie andere nicht unfreundlich behandeln, ankacken oder niedermachen.

Zum Beispiel Hochzeiten. In Kürze bin ich auf einer eingeladen. Ich freue mich wie irre und kann es kaum erwarten mit dem Paar zu feiern. Gleichzeitig habe ich jetzt (wie vor jeder solchen Gelegenheit) Horrorvisionen von möglichen Reden der Trauzeugen. Warum wird es eigentlich als guter Stil angesehen, dass sich jemand auf der Feier seines (vermeintlich) besten Freundes hinstellt und diesen vor versammelter Mannschaft bloßstellt? Will eigentlich noch jemand außer mir in diesen Momenten im Boden versinken oder findet der Rest der Gäste das etwa witzig? Kein Wunder, dass der deutsche Humor so einen miesen Ruf hat. Statt das Brautpaar bloßzustellen erreicht der Redner nur eines: er lässt ganz tief in seine eigene traurige Unzulänglichkeit blicken.

Aber damit fängt es weder an, noch hört es auf. Man muss nicht befreundet sein, um sich schlecht zu behandeln. Je weniger man sich kennt, desto leichter scheint es zu fallen. Obwohl sich doch die Frage stellt, was mir jemand getan hat, den ich erst in diesem Moment kennenlerne?

In den letzten zwei Wochen war ich auf zwei Festivals. Auf beiden Festivals gab es Securities. Auf dem Maifeld Derby haben alle (wirklich alle) Securities die Gäste angelächelt, waren durchweg freundlich und haben uns nach einem sicherlich krass anstrengendem Arbeitstag, bei dem sie uns noch beim Feiern zusehen mussten ein „gutes Nächtla, süße Träume und bis Morgen“ gewünscht. Und das ausnahmslos und seit ich ihnen zum ersten Mal vor neun Jahren begegnet bin.*

Am Freitag war ich dann auf dem Southside. Zugegeben 10x so groß und das Publikum ein volltrunkener Abi-Jahrgangsausflug, was einem wirklich die Laune versauen kann. Aber was ein Unterschied. Weder wurde meine freundliche Begrüßung erwidert. In die Augen schauen war auch nicht drin. Dafür durfte ich mich gleich mal anschnauzen lassen. Dafür, dass ich den nicht-gekennzeichneten Sicherheitsbereich nicht binnen Sekunden verlassen hatte. Oh Gott, Entschuldigung! Da hat man doch gleich richtig Bock auf das Festival. So ging das dann auch den ganzen Tag weiter.

Ich sage jetzt nicht, dass es zwangsläufig immer so sein muss, wie auf dem Maifeld, auch wenn das wünschenswert wäre. Aber professionelle Freundlichkeit sollte doch schon möglich sein, sofern man von besagtem Gegenüber ebenso behandelt wird. Ist ganz was anderes, als sich alles gefallen zu lassen… Da bin ich auch vehementer Gegner. Respekt geht eben von beiden Seiten aus.

Aber der Endgegner ist auf jeden Fall das Internet. Gefühlt hat alles mit Amazon-Kundenfeedbacks angefangen, aufgrund derer sich alle zum Hobby-Reich-Ranicki berufen fühlen. Welch glühende Antipathien man gegen Tesafilm entwickeln kann ist schon bemerkenswert. Auch in Foren renommierter Zeitungen finden sich manchmal wahre Hasstiraden auf komplett unbekannte Dritte. Und alles von einem thematischen Diskurs ausgehend. Da sollte man doch annehmen, dass das Bildungsbürgertum in der Lage ist, sachlich zu bleiben.

Aber selbst die sind noch gar nichts gegen Facebook-Tier-oder-Baby-Gruppen. Jeder, der schon einmal aus Interesse eine Impfdebatte in einem Mamiforum angestoßen hat weiß, wovon ich rede. Von „Deine Kinder sollten Dir weggenommen werden.“ über „Impfen ist Körperverletzung“ bis zu „Jugendamt ist verständigt.“ ist alles dabei. Und zwar ganz egal, welche Meinung man vertritt oder wie oft man sie im Rahmen der Debatte rigoros und augenscheinlich über den Haufen wirft. Dabei hab ich noch nicht mal Kinder. Das wird das Jugendamt dann vermutlich auch feststellen, sollte es jemals – dank Mamiforumshobbypolizei – vor meiner Tür stehen.

Also: seid nett zueinander, grüßt öfter mal und hört zu, bevor ihr jemandem den Schädel einschlagt. Nur mal so als Idee. Bis es soweit ist mache ich eine Tüte Chips auf, kraule meine Katzen, poste eine Frage zu Kastration bei Hunden in das entsprechende Forum und warte bis das Inferno losbricht.

 

*Auinger Security: wenn ihr das hier lest: ihr seid die Besten. ♥

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