Ohne Proben ganz nach oben

Wenn man sich gerade so in der Politik umsieht, bekommt man recht schnell den Eindruck, dass ein gewisses Know-How in der Thematik des avisierten Amtes eher zum Nachteil, denn zum Vorteil gereicht.

Ein Trend der sich im Arbeitsalltag abseits absurder Diäten seltsamerweise so nicht Wiedererkennen lässt. Oder hat schonmal irgendjemand erlebt, dass man nur aus dem Grund zum Leiter der Buchhaltung befördert wurde, weil man bei der letzten Weihnachtsfeier illegalerweise die Reste des Buffets geklaut hat?

Ich würde mich jetzt nicht so weit aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass alle anderen wirklich tiefgreifendes Wissen, einen reichen Erfahrungsschatz und unbändige Motivation in ihrem jeweiligen Themenbereich haben. Eher im Gegenteil, habe ich manchmal das Gefühl. Aber zumindest behaupten sie es. Denn ansonsten würden die Unternehmen sie kaum einstellen oder die Kunden sie nicht buchen.

Wenn ich mich auf Freelancer Plattformen umsehe, finde ich unzählige Social Media Marketing Profis. Das sind die Eventmanager 2.0. Eventmanager waren früher mal alle, die bei einer bürointernen Besprechung kleine Orangensaftflaschen auf den Tischen drapiert haben. Heureka. Also jeder, der schonmal ein Smartphone in der Hand hatte und vielleicht sogar einen eigenen Instagram-Account hat, auf dem er Wannabe-Influencermäßig Selfies mit Birchermüsli postet (#fitspiration #healthfood #memyselfandi) ist heute ein Social Media Profi.

Das ist ja fast noch ätzender, als einen Job zu bekommen, für den man von vornherein nicht qualifiziert war, das aber zumindest auch gar nicht so recht behauptet hat. Ist das jetzt ein Plädoyer für mehr Ahnungslosigkeit auf dem Weg zur Spitze? Eigentlich nicht. Aber eben auch nicht für das Vorgaukeln falscher Tatsachen.

Eine Idee, die – wie ich finde – gar nicht mal so weit hergeholt ist wäre, sich einfach in dem Bereich, der einen interessiert aus- oder fortzubilden. Dann hat man hinterher tatsächlich Ahnung von den Dingen, von denen man spricht. Hätte den Vorteil, dass man auch keine Angst haben muss, wegen des eigenen Unwissens irgendwann aufzufliegen und/ oder in Ungnade zu fallen. Sowas nennt sich dann wieder eine klassische Win-Win Situation.

Also: sagt halt mal, wenn ihr von irgendwas keinen blassen Schimmer habt. Vielleicht bekommt ihr den Job ja trotzdem oder gerade deshalb.

 

Photo: Church of the King // Unsplash

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