Das Unaussprechliche

Keine Ahnung, warum ich bei dem Wort Prokrastination eher an Kastration oder Probleme mit der Prostata – die ich ja nicht einmal mein eigen nenne – denke, als an das tatsächliche Phänomen. Aussprechen kann ich das verdammte Wort außerdem auch nicht. Genausowenig wie Halluzinogene, das mir schon beim Schreiben oder Denken Probleme beschert.

Zweiteres benötigt man halt seltener, außer man ist Timothy Leary oder liest gerade The Electric Kool Aid Test. Der Prokrastination hingegen habe ich mich schon öfter strafbar gemacht. Angefangen im Studium, als ich mich hervorragend darauf verstand, meine Diplomarbeit so lange aufzuschieben, bis ich nur noch ein minimum an Zeit hatte, aus dem ich ein Maximum an Text rausprügeln musste. Es wurden 300 Seiten, die ein äußerst geduldiger Freund um 150 Seiten Wiederholungen kürzte. Hätte man sich früher drangesetzt, wäre das wohl nicht passiert. Aber wie Lothar Mattheus schon so treffend sagte: wäre, wäre…

Und jetzt? Bin ich selbstständig. Sozusagen mein eigener Herr (in weiblich) und prokrastiniere fröhlich vor mich hin (ganz schlechte Idee). Und zwar immer, wenn der Urlaub nicht mehr fern ist und so eine gewisse Urlaubsreife schon langsam in Fäulnis übergeht. Also genau genommen bin ich gerade mehr als nur ein bißchen Urlaubsreif.

Doch statt nochmal ordentlich ranzuklotzen, um den Kram aus dem Weg zu haben, starte ich auf Social Media Plattformen Konversationen mit bekannten Indie-Musikern über perverse Maskottchen, bringe Kleider in die Änderungsschneiderei um die Ecke oder rasiere mir den Kopf zu dramatischer Musik.

Ich möchte ja fertig werden. Wirklich. Ich krieg es bloß gerade nicht hin. Mich dazu zu bringen, etwas sinnvolles zu tun, nimmt gefühlt Stunden in Anspruch und so kreativ meine Ausweichmanöver klingen, es ist und bleibt frustrierend. Dinge wie „reiß Dich mal zusammen“ oder „jetzt setz Dich mal auf Deinen Arsch“ quittiert mein Kopf mit „ja gleich, nur noch schnell [irgendwas unsinniges einfügen]“. Also die klassische Engel/ Teufel Geschichte, nur dass der Teufel die motivierenderen Ideen hat.

Also falls jemand das liest und auch noch ein Geheimrezept gegen Prokrastination hat, das es rezeptfrei in der Apotheke gibt, immer her damit. Ich bin dankbarer Abnehmer.

P.S. Alle, die das jetzt nur wegen der potentiellen Dramatik des Facebook-Posts angeklickt haben: auf ein klassisches Clickbait reingefallen. Aber ich kann das Wort Prokrastination echt nicht aussprechen.

 

 

Photo: Roy Buri // Pixabay. Gracias, Merci, Danke.

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