Die Letzten & die Ersten

Heute ist mein letzter Arbeitstag vor dem Urlaub. Wobei… wenn das hier erscheint, bin ich bereits unterwegs. Aber das ist ja nebensächlich. Letzte Arbeitstage vor dem Urlaub sind fast so furchtbar, wie erste Arbeitstage nach dem Urlaub.

Am letzten Arbeitstag stehen all die Dinge an, die man dringend noch fertigmachen muss. Und egal wie gut man vorgeplant hat, es kommt doch immer irgendwas dazwischen und sorgt dafür, dass man auf den letzten Metern nochmal in Stress verfällt. Aus irgendeinem mir komplett schleierhaften Grund habe ich die meisten Anfragen potentieller Neukunden eine Woche vor meinem Urlaubsbeginn. Und auch wenn das jetzt nach „Kunde droht mit Auftrag“ – einer Redewendung, die ich wirklich furchtbar finde – klingt, so ist das gar nicht gemeint. Es ist nur auffällig und zieht sich durch meine Selbstständigkeit.

Am letzten Arbeitstag verfalle ich aber regelmäßig in eine leicht kopflose, hektische Hysterie und fange an zu katastrophisieren. Mein Puls ist kontinuierlich an der zulässigen Höchstgrenze. Ich male mir zahllose, spektakuläre und weit hergeholte Schreckensszenarien aus, die meine Kunden und/oder mich die Existenz kosten. (Nochmal zur Erinnerung: ich mache Marketing, keine Herzkranzchirurgie).

Passiert ist sowas noch nie. Vermutlich auch, weil ich bereits Wochen vorher damit beginne, mir Pläne und To Do Listen zu machen, damit ich eben nicht in diese Situation komme. Naja, vielleicht stellt sich die Gelassenheit noch irgendwann in diesem Arbeitsleben ein.

Fast noch schlimmer sind aber die ersten Arbeitstage. Es ist nicht so, dass ich meinen Job nicht mag. Aber mal ehrlich: wer hat sich jemals darüber beklagt, dass sein Urlaub zu lang gewesen sei?

Davon mal abgesehen habe ich in den zwei Wochen meist irgendwie verlernt, wie ein strukturierter Arbeitstag abläuft. Mit fast körperlicher Gewalt muss ich mich dazu zwingen, an meinem Rechner sitzenzubleiben, und mich nicht selbst von allem möglichen ablenken zu lassen.

Die Mails stapeln sich, und ich kann nicht so recht entscheiden, wo ich anfangen, wo aufhören soll. Und von Effizienz wollen wir am ersten Arbeitstag gleich mal gar nicht sprechen. Da geht es mehr darum, das alles irgendwie zu überstehen. Hinzu kommt, dass ich ein wenig irritiert bin, weil die Welt eben doch nicht untergegangen ist, während ich nicht da war, um sie im Lot zu halten. Man kann’s mir halt auch wirklich nicht recht machen.

Bis ich wieder im Flow bin, vergehen ein paar Tage. Danach weiß ich nicht mehr, warum ich überhaupt so ein großes Bohei um die letzten und ersten Tage gemacht habe. Bis zum nächsten Jahr.

 

Photo: Julian Paolo Dayag // Unsplash

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