SurPreis, SurPreis

Ich bin wieder da. Frisch aus dem Urlaub. Erholt und alles. Es kann also wieder losgehen. Und zwar volle Fahrt. OK, erster Arbeitstag, halbe Fahrt. Da bietet es sich doch an, sich gleich mal einem unliebsamen Thema anzunehmen, das jeden Freiberufler früher oder später (oder auch wiederholt) umtreibt: die Preisgestaltung.

Denn: SurPreis, SurPreis es geht auch dem Freelancer nicht nur darum seine Arbeit gut und gerne zu machen. Komischerweise wird aber immer wieder gerne davon ausgegangen, dass der gemeine Freelancer seine Arbeit mit so viel Passion betreibt, dass er vom schnöden Mammon gar nichts wissen möchte. Schon gar nicht, wenn sich oben genannter dann auch noch mit den schönen Künsten beschäftigt. Das ist doch Lohn genug, oder?

Ganz ehrlich: ich bin gar nicht so scharf darauf Geld zu scheffeln. Wollten andere Menschen eben nicht auch welches als Gegenleistung für Essen, Wohnen und so weiter von mir. Warum sollte es aber für die anderen OK sein Geld zu verdienen, für mich jedoch nicht?

Als nächstes kommen wir zur Frage wie viel? Wieviel bin ich wert? Wieviel ist meine Arbeit wert? Welches Know-How bringe ich ein? Ja, und auch: Wieviel benötige ich pro Stunde, damit ich überhaupt leben kann? Again SurPreis: die Antwortet lautet nicht 10,- € Brutto.

Welchen Preis man letztendlich ausruft, muss jeder selbst für sich entscheiden. Am besten auf Grundlage betriebswirtschaftlicher Berechnungen. Dass dabei ein Satz herauskommen sollte, der im Vergleich zum Stundenlohn eines normalen Angestellten auf den ersten Blick hoch erscheint, wird schnell klar.

Denn: Lohn ist eben nicht alles. Es gibt da ja die nicht zu unterschätzenden Lohnnebenkosten. Lohnfortzahlungen bei Krankheitsausfällen. Ach, und dann ist da ja noch der bezahlte Urlaub. All das entfällt beim Freiberufler. Der kümmert sich selbst um seine Beiträge und den ganzen anderen Kram.

Wenn ich krank werde, überlege ich mir, ob ich mir den (Verdienst-)Ausfall leisten kann oder mich vielleicht doch lieber zumindest stundenweise an den Schreibtisch quäle. Krankengeld gibt es erst ab der 6. Krankheitswoche, davor entscheidet man selbst, ob man lieber krank und pleite ist oder ob es doch irgendwie geht. Versicherungen, die man zusätzlich abschließen könnte, um genannte 6 Wochen zu überbrücken sind so abenteuerlich kostspielig, dass man schon pleite wäre, bevor man überhaupt die Chance hatte, krank zu werden.

Auch nicht zu unterschätzen: der Urlaub. Fahre ich weg habe ich zeitgleich einen Verdienstausfall und – wenn es dumm läuft – verliere ich potentielle Kunden, die mich gerade in meinem Urlaubszeitraum dringend bräuchten. Absurderweise habe ich die meisten Anfragen tatsächlich kurz vor meinem geplanten Urlaub.

Ihr bekommt Weiterbildungen bezahlt und natürlich die Arbeitszeit, während der ihr diese besucht? Glückwunsch. Weiterbildungen sind echt wichtig und jedes Unternehmen tut gut daran, seine Mitarbeiter regelmäßig weiterzubilden. So auch der Freiberufler. Der seine Weiterbildung selbst zahlt und den Verdienstausfall gerne in Kauf nimmt, um mit aktuellem Wissensstand im Business zu bleiben.

Soweit alles klar? Dann gibt es noch einen Punkt, den man bei der Verhandlung mit einem Freelancer bedenken sollte: man bezahlt ihn wirklich nur für die Zeit, in der man ihn braucht. Es gibt keine Leerläufe. Wenn keine Arbeit da ist, ist es der Freelancer eben auch nicht. Schon alleine das macht es doch irgendwie attraktiv oder?

Also zusammenfassend: es geht hier nicht ums Jammern. Sondern darum mal ein Bewusstsein zu schaffen, dass Selbstständige weder besonders geldgierig sind, noch grundsätzlich wie Onkel Dagobert im Geld schwimmen. Es ist nicht jeder ein Mark Zuckerberg. Und ich möchte auch gar keiner sein. Aber ich möchte mich genauso wenig ständig rechtfertigen und mir dumme Sprüche anhören. Wenn ihr denkt, dass ich mein Geld nicht wert bin, sucht euch einen anderen und denkt daran: am Ende kriegt man das, wofür man bezahlt.

 

P.S. Natürlich sind nicht alle so. Sonst stünde ich längst wieder in Lohn und Brot.

Photo: Julian Hochgesang // Unsplash

 

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