Learning by Doing

Jeder hat in seinem Leben Schwerpunkte, Know-How, Vorlieben. Und Lücken. Soweit so gut. Was aber passiert, wenn ein Kunde kommt und einen spannenden Auftrag mitbringt, der dummerweise eine dieser Lücken offenbart?

Diese Frage hat sich mir erstmals gestellt, als Wolfram vor mir stand. Im Schlepptau ein Weingut, das es zwar seit 1999 als Privatweingut gibt (was in Weingut-Jahren gesprochen in etwa ähnlich lange ist, wie ein Menschenleben in der Entstehung der Welt), das aber 2018 erstmals offiziell an den Markt wollte.

Es gab weder eine Website, noch Werbematerial, noch sonst irgendwas. Außer den Etiketten. Nachdem ich Wein bis zu unserem Treffen immer nach Etikett gekauft hatte und mich die Entwürfe ansprachen, war die Zusammenarbeit schnell abgemachte Sache.

Wolfram fand es spannend, jemanden über seine Weine schreiben zu lassen, der keine Ahnung hatte. Damit konnte er sich sicher sein, dass es keine hochgeschraubten Beschreibungen oder folkloristischen Winzerromantiken in seiner Kommunikation gab. Ich fand es herausfordernd über etwas zu schreiben, mit dem ich mich bisher nicht wirklich auseinandergesetzt habe. Denn eigentlich trinke ich kaum Alkohol.

Wie soll eine Kommunikation funktionieren, wenn der Kommunikator keine Ahnung hat? Nur durch Kommunikation. Wolfram lieferte das Wein-Know-How und ich entwickelte daraus mit dem Grafiker eine Kommunikationsstrategie.

Wolfram vertraute uns und ließ uns freie Hand. Der Grafiker und ich verstanden uns super und der Auftrag entwickelte sich in kürzester Zeit zu meinem Lieblingsprojekt. Mit Enthusiasmus stürzte ich mich auf die Aufgaben und lernte ganz nebenbei Begriffe wie Saignée-Methode, stürmische Gärung und Oechsle kennen. Wir planten eine Auftaktveranstaltung, entwarfen Messestände, Flyer, die Website und durften uns kreativ austoben. Wenn das nicht der absolute Traum eines jeden Kreativen ist.

Seither schreibe ich wöchentlich im Weinblog über die Geschicke eines Winzers (natürlich beruhend auf wahren Begebenheiten), überlege mir, wofür man leere Weinflaschen zweckentfremden könnte und versorge die Leser mit Wein Know-How. Woher das kommt? Habe ich gelernt. Sagt ja keiner, man könne Lücken nicht auch einfach schließen, oder?

Das Fazit? Gegenseitiges Vertrauen ist auch in Geschäftsbeziehung nicht das Falscheste und learning by doing ist mehr als nur eine leere Floskel, wenn man die Leute nur lässt.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s